„Nächste Woche, selbe Zeit?“, so lauten die Worte, welche die mittlerweile leicht angespannte Atmosphäre des Standesamtes etwas auflockern. Sogar der Standesbeamte kann sich ein Lächeln abringen, wo es doch seine erste Doppeltrauung ist und nicht alles ganz nach seinem Zeitplan läuft.
Aber hey, wie sagte er doch später schließlich so schön: „Das Leben ist wie ein Regenbogen. Da gibt es das Blau. Blau, wie…“
Ja, blau wären wir nun alle auch endlich gern, aber leider verschiebt sich der Sektempfang um weitere spannende Minuten.
„Da gibt es das Grün, Grün ist…“ Ich suche verzweifelt den Blickkontakt zur Braut und hoffe, dass sie die Rede genauso schlimm findet wie ich. Jawoll! Auch sie versucht mit aller Kraft ihr Lachen zurückzuhalten. 26 Jahre Freundschaft prägen halt. :P Das ist auch der Grund, weshalb ich Trauzeugin bin. Das und das kleine Fläschchen Korn in meiner Trauzeuginnentasche.
Als wir nun endlich alle tollen Farben des Regenbogens durchgegangen sind - wirklich alle - kommt nun doch der wichtige Teil.
Die Personalausweise liegen dem Standesbeamten mittlerweile sogar auch von jedem vor (Hat ja auch nicht viel länger als 20 Minuten gedauert *räusper*). Und als dann nach weiteren bangen Minuten auch die Namen des Brautpaares noch einmal etwas länger genau geprüft und tatsächlich, oh Wunder, für richtig befunden werden, sagen endlich alle ja! Wenn man schon einen bestuhlten Raum mit Beamten bucht, dann sollte man die Zeit auch voll ausnutzen. Das wäre somit getan. Schnell raus zum Sektempfang! PROST!
Als die ersten Klaviertöne von „You’ll never walk alone“ durch die kleine Kirche in Menden Bösperde schallen und der erste auf einer der gefüllten Kirchenbänke seine schwarz-gelb-gestreifte Krawatte hebt, hoffe ich leise, dass niemand mein GEwisses Autokennzeichen bemerkt hat.
Nach der Zeremonie geht es dann zum Hochzeitsempfang, wo das Brautpaar beim Eintreffen auf dem Parkplatz mit hell erleuchteten Bengalos empfangen wird. Als der Rauch sich zu legen beginnt, bedankt sich das überwältigte Brautpaar dann bei den maskierten Dortmund-Fans. „Ein wirklich schöner, wenn auch sehr heißer, Tag mit einem aufgeschlossenen, einfachen Brautpaar“, denke ich mir und frage mich auf dem Weg zum Auto, wie ich nun am schnellsten die Backsteine gegen Reifen tauschen kann…
Die dritte gute Freundin die heiratet. So langsam werde ich routiniert was Hochzeiten angeht :D
Als die beiden frisch vermählten Hand in Hand mit einem Strahlen im Gesicht die denkmalgeschützte Kirche verlassen möchten, wandert ihr Blick noch für einen kurzen Moment nach oben und es erklingen die ersten Töne von „Can you feel the love tonight“ aus einer Trompete, Posaune und Tuba. Alles ist andächtig still und lauscht der bewegenden Überraschung. Langsam setzt sich das Paar in Bewegung und die kleinen Blumenmädchen werden vorangeschickt. Alle laufen und streuen pinkfarbene Blumen. Bis auf eine, die es viel einfacher findet, die Blumen im Stehen aus ihrem kleinen weißen Körbchen zu werfen, womit sie leider den kompletten Auszug aus der Kirche blockiert. Daraufhin nimmt die Braut kurzerhand die Zweijährige auf den Arm, sie verlassen zu dritt die Kirche und treten in die warme Nachmittagssonne.
Und ich singe noch leise vor mich hin: „Die schöne Zeit der Unbekümmertheit ist um mein Freund, wie duuuuuumm.“ ♫
So, und jetzt lasst mich in Ruhe, ich muss nach Hause, meine 16 Katzen füttern.
Fairytale Cinderella Wedding.
Obwohl ich mich nicht, wie ich selbst immer sage, als „Mädchen-Mädchen“ bezeichne, ging der Moment, als die Braut mit ihrer Mutter in der mit anmutigen schwarzen Pferdehufen begleiteten Märchenkutsche um die Ecke bog, selbst an mir nicht spurlos vorbei. Ja, natürlich machte ich mir zuerst Sorgen um die Pferde. Aber dann setzte die Gänsehaut ein – doch ein recht zaubervoller Moment, muss ich doch zugeben. Und noch dazu ein wundervoller perfekter sonniger Tag mit einem tollen unkomplizierten Paar. Cheers!
